Change Habits!

„New Work führt immer über die persönliche Transformation“ schreibt Ralf Metz auf Xing. Er meint damit, dass das mechanische Anwenden von neuen Werkzeugen und Methoden (wie SCRUM, Design Thinking oder Holokratie) nur das System ändert, aber keine wirksame Transformation erreicht. Hierzu sind tiefgreifende Verhaltensänderungen der beteiligten Menschen notwendig. Auch im agilen Manifest ist dies bereits festgehalten: „Individuen und Interaktionen schätzen wir mehr als Prozesse und Werkzeuge“.

Ich kann das aus unserer täglichen Praxis bestätigen. Mit der GIS AG führen wir IT-Systeme für das collaborative Arbeiten, wie z.B. Microsoft Office 365, in größeren Unternehmen ein. Ein reines Bereitstellen dieser Tools führt dabei nur selten zu den erhofften positiven Effekten. Das „daily Pattern Monster“ sorgt meist dafür, dass man aus dem bestehenden Trott nicht ausbricht und damit der potenzielle Mehrwert dieser Tools nicht ausgeschöpft wird. Man muss die Menschen mitnehmen und deren Verhalten nachhaltig ändern, um zu den gewünschten Effekten zu kommen.

Wie schafft man aber eine Verhaltens-Veränderung der beteiligten Menschen und Organisationen? Aus meiner Sicht ist dazu oft eine Veränderung der kleinen, automatisierten Verhaltensweisen des Alltags (im Folgenden „Habits“ genannt) notwendig, die jeder von uns hat. Dabei sollte man zunächst bei sich selbst beginnen, denn hier lassen sich am ehesten Veränderungen erreichen und damit in der Folge das Verhalten von Kollegen positiv beeinflussen („If you want to make the world a better place, take a look at yourself and then make a change“ – Michael Jackson in dem Song „Man in the Mirror“).

In einigen Ratgeberbücher der letzten Zeit habe ich interessante Ansätze gefunden, wie Veränderungen der kleinen täglichen Automatismen möglich werden:

  • Atomic Habits

    In dem Buch „Atomic Habits“ sieht James Clear folgende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verhaltensänderung: einen klaren Trigger für das neue Verhalten, eine einfache Routine des neuen Verhaltens, die Verhaltensänderung muss attraktiv sein und die Erfahrung mit dem neuen Verhalten muss befriedigend sein. Im Folgenden führt er ein paar Life-Hacks an, mit denen Verhaltensänderungen einfacher werden. Beim „Habit Stacking“ macht man sich bereits automatisierte Verhaltensweisen zunutze, um diese mit neuen, gewünschten Verhaltensweisen zu kombinieren und dadurch in Summe zu einer Verhaltensänderung zu kommen. Eine andere Idee ist das „Starting Ritual“. Hier wird als Trigger ein bestimmtes Ritual verwendet, welches ein neues, geändertes Verhalten auslösen soll.

  • Principles

    Im seinem Buch „Principles“ geht der erfolgreiche Investmentbanker Ray Dalio so vor, dass er jeden seiner Mißerfolge genau analysiert und jeweils ein neues, durch den Misserfolg gelerntes Prinzip in seine persönliche Entscheidungsbasis aufnimmt.

  • High Performing Habits

    Das Buch „High Performance Habits“ von Brendon Burchard beschreibt erfolgreiche neue Verhaltensweisen auf Basis von bewussten Einstellungen zu Situationen und Bezügen zu einem eigenen Wertekompass.

  • Viktor Frankl

    Ich denke, dass diese Ideen und Tipps wesentlich auf die Erkenntnis des Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl („…trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“) zurück gehen: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Es geht also darum, sich der Automatismen bewusst zu werden und sich dann bewusst für ein anderes Verhalten zu entscheiden. Wenn dies lange genug praktiziert wird (wofür eine gewisse Motivation oder Disziplin notwendig ist), verselbständigt sich das neue Verhalten wieder.

Entsprechend gehen wir in der GIS vor, wenn wir neue Software für Collaboration in Unternehmen einführen und dabei Verhaltensweisen verändern wollen. Im Gegensatz zu klassischen Schulungen von Werkzeugen, die im Wesentlichen technische Kenntnisse vermitteln, wollen wir zunächst Kenntnis über die neuen Tools im Unternehmen verbreiten und vermitteln, warum diese Tools und Werkzeuge hilfreich sein können. Im nächsten Schritt arbeiten wir an der Motivation der Mitarbeiter. Erst zum Schluss vermitteln wir das Know How, wie man diese Tools bedient.

Marcus Schneider

Marcus Schneider

Vorstand GIS AG / Consultant bei GIS AG
Ich interessiere ich mich besonders für neue Arten der Zusammenarbeit, die selbstorganisierte Organisation und moderne Mitarbeiter-Führung.
Marcus Schneider

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