Ist KI den Menschen überlegen? Und gibt es (unsere) Berufe noch in Zukunft? (Teil 2)

Von der Industriellen Revolution bis heute hat sich viel getan in der Arbeitswelt. Damals wäre es wohl für keinen vorstellbar gewesen, dass wir heute eine 40-Stunden-Woche haben. Heute ist das aber relativ normal. Und auch, dass in Zukunft immer mehr Menschen noch weniger arbeiten. Meiner Ansicht nach stimmt die These, dass durch die Digitalisierung genauso viele neue Jobs entstehen, so nicht. Wird die Automatisierung zum Jobkiller? Droht die Massenarbeitslosigkeit? Welche Berufe wird es in Zukunft noch geben? Und für wie viele von uns?

Source: http://photos.jdhancock.com/photo/2013-04-22-010957-berry-hard-work.html

Arbeit 2050 – von Szenarien zu Handlungsoptionen

Ist die Automatisierung unser Jobkiller? Werden wir früher oder später alle weitgehend durch Roboter und Algorithmen ersetzt, die unsere Arbeit erledigen? Ja. Dennoch: Es lohnt sich ein genauerer Blick darauf, welche Jobs wegfallen werden. Schon jetzt lässt sich der Wegfall in verschiedenen Bereichen beobachten. Die Angst davor, dass Maschinen und Roboter in naher Zukunft den eigenen Arbeitsplatz ersetzen, ist nicht neu. Jedoch gibt es markante Unterschiede in den einzelnen Branchen.

Eine 2013 veröffentlichte Studie (PDF) der Oxford Universität und der Oxford Martin School von Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne erregte großes Aufsehen. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler untersuchten, inwieweit zukünftig Jobs in den USA der Computerisierung zum Opfer fallen.[1]

Ihr beängstigendes Fazit: Zukünftig werden 47 Prozent aller Jobs überflüssig sein. Grundlage ihrer Thesen war die Beobachtung, dass in der Vergangenheit durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung etliche Jobs verschwunden sind beziehungsweise von Computern übernommen wurden.

Allerdings muss genau hingeschaut werden: Betroffen waren vor allem Jobs mit geringen oder mittleren Qualifikationsanforderungen im Produktionsbereich. Maschinen können vor allem dann solche Jobs ersetzen, wenn es sich um Routineabläufe handelt. Frey und Osborne hatten lediglich untersucht, in welchen Berufen es hohe Anteile von Tätigkeiten gibt, die theoretisch auch eine Maschine übernehmen könnte. Dies würde natürlich eine enorm große Massenarbeitslosigkeit mit sich ziehen. Und selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel dieser ihre Berufe verlören, mag ich mir dieses Zukunftsbild gar nicht ausmalen. Auch die Kluft zwischen der Bezahlung einzelner Berufe und die Marktmacht der großen Konzerne muss hier kritisch hinterfragt werden.

Im Gegenzug dazu lässt sich beobachten, dass zeitgleich die Anzahl der Jobs bei Nicht-Routinetätigkeiten zunahm (zumindest im niedrig und hoch qualifizierten Bereich).

Eine neuere Studie untersucht die Szenarien für das Arbeiten im Jahr 20502050: Die Zukunft der Arbeit. Ergebnisse einer internationalen Delphi-Studie des Millennium Project.

Die globale Arbeitslosigkeit könnte auf 24 Prozent (oder mehr) im Jahr 2050 steigen.

Arbeit 2050: Zentralen Aussagen im Überblick (vgl. Studie)

  • Wir gestalten die Zukunft

    Wir wissen nicht genau, was kommt, aber wir können es gestalten: Die Unsicherheit über den Verlauf der zukünftigen Entwicklung ist hoch – weil er von politischen Rahmensetzungen und der Zusammenarbeit der Akteure abhängt.

  • 2050 mehr als 24% Arbeitslosigkeit

    Die globale Arbeitslosigkeit könnte auf 24 Prozent (oder mehr) im Jahr 2050 steigen. Die soziale Schere kann sich weiter öffnen

  • Maschine ersetzt Mensch

    Immer mehr Aufgaben können von Maschinen erledigt werden. Robotik, künstliche Intelligenz und Technologie-Konvergenz treiben die Entwicklung voran.

  • Beginn der Transformationsphase

    Es wird eine Transformationsphase über die nächsten ein bis zwei Dekaden geben. Hier setzt sich im Sinne des „digitalen Darwinismus“ der bisherige Wandel der Arbeit fort, indem immer mehr Berufsgruppen und Tätigkeiten durch Automation ersetzt werden. Dann steht der Übergang in ein gänzlich neues System des Arbeitens und Wirtschaftens an, in dem auch die Sozialsysteme entsprechend anders aussehen müssen, und in dem vielleicht das Prinzip der Lohnarbeit gänzlich überholt ist.

  • Konsolidierung der Berufe

    In den Sektoren Freizeit, Erholung und Gesundheit, in technologienahen Feldern und mit neuen Berufsbildern vom Empathie-Intervention ist bis zum Algorithmen-Versicherer entsteht neue Arbeit. Es bilden sich Arbeitsbereiche und Berufe heraus, die geprägt sind von ureigenen menschlichen Fähigkeiten wie Empathie oder Kreativität.

  • Bildungssystem braucht Revolution

    Einzelne gehen voran, während das Bildungssystem überfordert ist, sich aber revolutionieren und z. B. in die Richtung selbst-gesteuerter Bildungsportfolios entwickeln muss.

  • Metakompetenzen entwickeln

    Technologische Kompetenzen sind zukünftig dringend zu vermittelnde Basis-Kompetenzen. Ebenso Meta-Kompetenzen.

  • Neue Wirtschafts- & Sozialsysteme

    Vielleicht muss gar keiner mehr arbeiten: Nach der Transformationsphase werden neue Wirtschafts- und Sozialsysteme notwendig.

Zukunftsszenarien und Einkommen

Natürlich ist es schwierig einen solch langen Zeithorizont zu betrachten, da viele Entwicklungen, z.B. technologische Entwicklungen nicht genau abgeschätzt werden können. Hierzu soll eine Betrachtung von alternativen Szenarien helfen, um mögliche Entwicklungen zu skizzieren und Handlungsansätze aufzuzeigen.
Die Grafik zeigt in allen drei Strängen, dass sich unser heutiges Konzept von Arbeit wesentlich verändert. Vor allem aber machen die Stränge deutlich, dass es ein neues Modell für Einkommen und Vermögen geben muss und hierzu nachhaltige politische Konzepte notwendig sind.

60 Prozent der Experten sprechen sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Nach der Übergangsphase wird ein gänzlich neues System entstehen, in dem z. B. Lohnarbeit überflüssig sein kann oder das Grundeinkommen die meisten Menschen ernährt. Philosoph und Vordenker, Richard David Precht sagt mit Blick in die Zukunft: „Am bedingungslosen Grundeinkommen kommen wir nicht vorbei.

Wir müssen neue Alternativen finden, wie Einkommen für uns Menschen außerhalb von Lohnarbeit generiert wird.

Welche Berufe wird es in Zukunft geben?

Von der Industriellen Revolution bis heute hat sich viel getan in der Arbeitswelt. Damals wäre es wohl für keinen vorstellbar gewesen, dass wir heute eine 40-Stundenwoche haben. Heute ist das aber relativ normal. Und auch, dass perspektivisch in der Zukunft immer mehr Menschen noch weniger arbeiten. Meiner Ansicht nach stimmt die These, dass durch die Digitalisierung genauso viele neue Jobs entstehen nicht. Die These, dass durch die Digitalisierung genauso viele neue Jobs entstehen stimmt so nicht. Wie vorhin zitiert könnte die globale Arbeitslosigkeit könnte auf 24 Prozent (oder mehr) im Jahr 2050 steigen (s. Studie oben).

Es werden neue Jobs entstehen, aber gleichwohl können diese nicht von denen ausgeführt werden, die ihren alten verloren haben. Ich meine damit, dass aus einem ehemaligen Bergmann im Steinkohleabbau nicht plötzlich ein Software-Entwickler wird. Die Bürokauffrau wird nicht über Nacht zur Big Data Analystin und der Taxifahrer wird nicht Virtual Reality Designer. Es bedarf einer stärkeren Spezialisierung. Aber was passiert mit den Menschen, die nicht so einfach mehr umschulen können? Frust, Aggression, Trauer oder Depression können die Folge sein.
Umso wichtiger wird es, sich der Frage zu stellen: Was ist Arbeit? Wo findet sich der Mensch wieder in der automatisierten Welt der Zukunft und was ist sein Wert? Bzw. der Wert und der Sinn der Arbeit? Wann beginnt Arbeit und Freizeit im Zeitalter von New Work? Oder IST Arbeit Leben?[1]

Demnach braucht es in der Zukunft neue Ansätze um „Arbeit“ messbar zu machen – wenn überhaupt. Wo fängt New Work an und wo hört es auf?

Umso spannender ist jedoch der Ausblick auf die Möglichkeiten und auch die Diskussion darüber, was passieren kann. Wir wagen einmal den Ausblick und haben eine Liste mit Jobs erstellt, die möglicherweise in der Zukunft der Arbeit keinen Platz mehr haben werden.

Wer sich fragt, wie groß die Chance ist, dass sein Job in Zukunft von einem Roboter übernommen wird, kann eine Prognose durch den Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wagen. Auch die Karrierebibel hat eine Liste mit Jobs, die es wohl bald nicht mehr geben wird, gewagt.[2]

Auf zahlreichen Events und Podiumsdiskussionen sieht man derzeit Trendforscher, Zukunftswissenschaftler, agile Coaches uws., die alle zu einem Umdenken auffordern. So lassen sich immer mehr junge Leute zu Business Coaches und Trendforschern ausbilden. Deutschland braucht mehr Entrepreneure heißt es. Dem ist wohl auch so. Aber hier muss auch die Politik den jungen Menschen helfen. Denn was passiert mit Start-Up Gründern, die von den großen Fischen im Haifischbecken aufgeschluckt werden? Damit haben wir immer noch kein volkswirtschaftliches Problem gelöst oder langfristig neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Silicon Valley floriert, der klassischen Industrie droht der Stillstand.

Was hier ökonomisch wegbricht, hat eine enorme psychologische Wirkung auf das Selbstwertgefühl von Millionen von Menschen. In Zukunft wird es für viele keine Arbeit mehr geben. Oder jedenfalls ohne eine entsprechende Entlohnung. Anders gedacht, ist es natürlich auch von Vorteil, wenn die „langweiligen“ Jobs und Aufgaben wegfallen. Dann könnten wir tun, was uns „wirklich, wirklich“ wichtig ist ´á la Bergmann und können gestalten, können uns kreativ betätigen, während die Roboter den Rest regeln. Aber wenn der Taxifahrer seinen Job verliert, dann wird er deshalb nicht kreativer. Und wenn immer weniger arbeiten und mehr bezahlen müssen, wie soll das funktionieren?

Weiter geht es in Teil 3: Weitergedacht: Arbeits-(welt) in 20 Jahren. Zwischen Dystopie & Utopie

Gastbeitrag: Isabel Runge

Nach dem Studium der Germanistik & Anglistik, gefolgt von Studienjahren der PR/Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikationsmanagement beschäftige ich mich in meinem Beruf als Marketing & Kommunikationsverantwortliche mit digitaler Kommunikation, dem Wandel der Unternehmenskommunikation und Change Management. Mein Herz schlägt für das Vorantreiben der Arbeitswelt 4.0, damit Sinnstiftung, Demokratie und Menschlichkeit Eingang in unser ökonomisches Handeln finden. In meinen Beiträgen möchte ich mich auf die neue Arbeitswelt, Digital Leadership, Markenbildung der Zukunft, Digitalisierung und das Zusammenspiel und der Verantwortung des Individuums sowie neuen Kommunikationsstrukturen in einer diversifizierten Welt konzentrieren. Ich möchte konstruktiv-kritische, positiv-philosophische Gedanken anstoßen und dadurch den kollektiven Bewusstseinswandel für die Arbeitswelt der Zukunft vorantreiben, von Erfahrungen berichten und erhoffe mir, über die Multiplikation von Wissen einen wertvollen Beitrag zur positiven Veränderung der Arbeitswelt und Zusammenarbeit. Ich freue mich über den Austausch!