Low-Code-Plattformen in Unternehmen

Das Thema Low-Coding gibt es schon ewig und was haben wir in der Vergangenheit auf Microsoft SharePoint bzw. der Microsoft 365-Plattform mit Werkzeugen wie InfoPath oder Nintex Workflow (um nur einige zu nennen) für Lösungen realisiert, ohne Codes zu schreiben. Und ja, ich kann mich auch noch ganz genau daran erinnern, wie Microsoft Infopath am 31. Januar 2014 abkündigte, ohne einen Ersatz zu bieten. Genau so lange wie es das Thema Low-Coding gibt, wird es von weiteren (persönlichen) Befindlichkeiten begleitet.

So sei es keine echte Form der Entwicklung, da kein Code geschrieben wird, kein sauberer Staging-Prozess vorliegt, die Tools starke Einschränkungen aufweisen und so weiter. Werden diese Werkzeuge dann noch an die Fachbereiche gegeben, entsteht ein Wildwuchs sondergleichen.

Low-Coding für kleine Helfer im Arbeitsalltag

Mit diesem Beitrag möchte ich weder in die eine, noch in die andere Kerbe hauen. Vielmehr möchte ich das Thema zunächst auf eine Flughöhe von 30.000 Metern bringen und zwei bis drei Fakten herausstellen.

Low-Code-Plattform M365

Die abgebildete Grafik zeigt die Bestandteile der Low-Code-Plattform in Microsoft 365. Sie nutzen Microsoft 365 in Ihrem Unternehmen? Dann zahlen Sie genauso für den Betrieb und die Weiterentwicklung dieser Plattform, jeden Monat und für jeden Mitarbeiter.

Natürlich kann jetzt argumentiert werden, dass im Auto auch die hinteren elektrischen Fensterheber im Preis inbegriffen sind, obwohl man diese dann nicht nutzt. Dieser Vergleich hinkt jedoch aus meiner Sicht, da Sie, im Gegensatz zu den Fensterhebern, durch den richtigen Einsatz der Microsoft Power Platform einen großen Mehrwert schaffen können.

Also nochmal vereinfacht – sie bezahlen monatlich viel Geld für Microsoft 365, ziehen aber (noch) keinen Mehrwert aus den Möglichkeiten der Low-Code-Plattform. Und hier setze ich an:

Mein Ziel ist nicht, die bisherige Individualentwicklung zukünftig komplett mit Low-Coding zu ersetzen. Vielmehr verfolge ich den Ansatz, mithilfe der Low-Code-Plattform kleine Helfer für die täglich anfallende Arbeit zu erstellen – Helfer, die in kurzer Zeit Mehrwert liefern und Spaß bei der Verwendung bringen.

Ich sehe Low-Coding als eine sehr gute Möglichkeit, mithilfe von kleinen, schnell erstellten Lösungen mit der Dynamik am Markt Schritt zu halten!

Etablierung von Low-Coding in Ihrem Unternehmen

Doch wie schaffen Sie es, dieses Potenzial zu heben?

Wir sind weiterhin auf einer Flughöhe von 30.000 Metern unterwegs und lassen deswegen die (persönlichen) Befindlichkeiten und Bedenken wie den Wildwuchs erstmal beiseite. Versuchen wir zunächst herauszufinden, ob Ihr Unternehmen überhaupt für Low-Coding bereit ist.

Und das unter der Voraussetzung, dass das Erstellen von Low-Code-Lösungen größtenteils außerhalb der IT stattfindet, jedoch von dieser begleitet wird.

In unserem Workshop-Format „Get in Touch with Power Platform“ arbeiten wir mit Ihnen heraus, ob in Ihrem Unternehmen:

  1.  genügend Personen mit entsprechenden Kenntnissen vorhanden sind.
  2.  ausreichend Ideen vorliegen, die mittels Low-Code umgesetzt werden können.

Erst wenn Sie diese zwei Fragen zufriedenstellend beantworten können, gilt es mit der Umsetzung erster Ideen fortzufahren. Dafür bieten wir ein modernes Workshop-Format an, welches von erfahrenen Low-Codern unterstützt wird, die als eine Art Guide fungieren.

In diesem Format verfolgen wir zum einen das Ziel, Informationen darüber zu erlangen, wie die Kollegen aus den Fachbereichen eigenständig Lösungen erstellen können. Zum anderen werden im Rahmen des Workshops bereits die ersten produktiven Lösungen erstellt, die Mehrwerte liefern!

Auf Basis dieser Erkenntnisse gilt es zu entscheiden, ob dieser Weg in Ihrem Unternehmen fortgesetzt wird.

Setzen Sie diesen Weg fort, gilt es Low-Coding in die Unternehmensorganisation zu integrieren und eine Guideline zu erarbeiten. Themengebiete wie Dos und Don’ts, Betriebsverantwortung, Deployment-Vorgehen, Dokumentation, Kommunikation neuer Funktionen sowie das Storytelling gegenüber anderen Fachbereichen sind zu definieren und abzustimmen.

Auf diesem Wege etablieren Sie einen weiteren Weg zur Steigerung Ihrer Produktivität. Selbst kleine Lösungen tragen hierzu bei, wie das Beispiel einer App zur Dokumentation der Office-Anwesenheiten während der Corona-Pandemie zeigt. Das Pflegen von (Papier)-Listen oder Exceltabellen, die ständig konsolidiert werden müssen, gehört somit der Vergangenheit an.

Beispiele für Low-Coding

Session-Bewertungs-App

Sessionbewertung App

Sessionbewertung App

Die Anforderung lautete, dass am Ende einer Session eine Bewertung durch die Teilnehmer schnell und einfach vorgenommen werden kann.

Die Lösung wurde mithilfe von SharePoint Online und einer Power App realisiert. So war die Anforderung im Handumdrehen gelöst.

Der Betrieb erfolgte über ein Tablet, das am Ausgang des Saals installiert wurde. Die Teilnehmer konnten ihr Feedback abgeben und bekamen nach der Übermittlung eine Bestätigung hierfür.

Es entstand ein kleiner Helfer durch den alle Daten zentral in einer Excelliste gesammelt wurden.

Collaboration BOT

Im Microsoft 365-Paket sind eine Vielzahl von Collaboration-Tools enthalten. Doch welches Tool für welchen Zweck genutzt werden soll, ist oft nicht transparent für alle Mitarbeiter ersichtlich.

Die Lösung dafür ist ein Bot, der den User zum Zweck seiner Zusammenarbeit abfragt. Anhand dessen veranlasst er dann die Erstellung eines entsprechenden Zusammenarbeitsbereichs.

Power Virtual Agents machen dies möglich. Genauso ermöglichen Sie die Ausführung von Power Automate und sind einfach in SharePoint Online-Seiten einzubetten.

Probieren Sie es aus. Im Handumdrehen ist der erste Bot fertig und über das mitgelieferte Dashboard erhalten Sie zusätzliche Informationen zur Nutzung.

Corona Office Presence App

Office Presence App

Wir alle kennen die aktuelle Thematik, deswegen vertiefe ich die Anforderungen hier nicht weiter. Mit unserer App ist es möglich, die eigene sowie die Anwesenheit externer Gäste in den eigenen Offices zu hinterlegen.

Die App wurde für alle Mitarbeiter freigegeben und in einem entsprechenden Team-Channel hinterlegt. Dazu wurden in den Offices QR-Codes ausgehängt durch deren Scans die App automatisch auf den Smartphones geöffnet wird.

Weiterhin wurde ein Erklärvideo mittels Microsoft Stream erstellt und zusätzlich verlinkt.

Zusammenfassung der Beispiele

Die Gemeinsamkeit dieser drei Beispiele ist, dass für keine Lösung ein Code geschrieben und ausschließlich Microsoft 365-Produkte verwendet wurden. Gleichzeitig wurde für die Erstellung der jeweiligen Lösungen nicht länger als zwei Stunden(!) benötigt.

Was denken Sie?

Fazit

Mit der Low-Code-Plattform von Microsoft 365 haben Sie die Möglichkeit auf einfachem und schnellem Wege einen großen Mehrwert für Ihr Unternehmen zu schaffen. Ergänzen Sie Ihre Individualentwicklungen mit Low-Coding und kleinen Helfern für die tägliche Arbeit, voller Spaß und Geschwindigkeit.

Ich kann Sie nur dazu ermutigen, das hier beschriebene Vorgehen der Etablierung von Low-Coding in Ihrem Unternehmen auszuprobieren, Ihren Fachbereichen die Möglichkeiten der Low-Code-Plattformen darzustellen und Feedback über Umsetzungsbeispiele einzuholen. Ihre Mitarbeiter haben tolle Ideen, die im täglichen Doing viele kleine Verbesserungen darstellen.

Da die Kosten der Low-Code-Plattform und ihrer kleinen, schnell erstellten Lösungen mit denen von Microsoft 365 einhergehen, können Sie die Mehrwerte ohne zusätzliche Ausgaben nutzen und der Dynamik am Markt standhalten.

Gehen Sie diese Schritte – Befindlichkeiten hin oder her!

Gastbeitrag: Sascha Portz

Seit dem Abschluss meines Wirtschaftsinformatik-Studiums arbeite ich in unterschiedlichen Positionen und Funktionen im Bereich der Softwareentwicklung. Ich habe viel Zeit damit verbracht, die Anforderungen von Kunden aufzunehmen, in Softwarelösungen zu überführen sowie diese bereitzustellen.
Seit über 10 Jahren fokussiere ich mich dabei auf die Königsdisziplin: Die Anpassung von Standardsoftware im Bereich der Microsoft-Technologien. Ich blicke auf umfassende Erfahrungen in der Umsetzung auf Basis von SharePoint sowie der Microsoft 365-Produkte zurück.
Die Zeiten, in denen ich selbst Code geschrieben habe, sind längst vorbei. Die Zeiten, in denen ich erste Ideen oder Prototypen mittels Low-Code-Produkten, wie z.B. Powerapps, realisiere, sind es nicht.
Ich bin total begeistert von dem stetig wachsenden Funktionsumfang der Microsoft Produkte und der Möglichkeit z.B. eine mobile App mit zwei Knopfdrücken zu erstellen, per Copy&Paste in eine Webseite einzubauen und diese in der mobilen App zu nutzen.