Ein Plädoyer für eine selbstbewusste Position der Kommunikation

In der Kommunikationswelt geht es derzeit immer öfter um „mutige Statements“, und „klare Meinung“. Denn, "gute Kommunikation ist essenziell für die Systemstabilisierung, sprich unsere Demokratie. Doch wer übernimmt in Zeiten von New Work & digitalen Medien Verantwortung für gute Kommunikation und was zeichnet sie aus?

„Hab nur Mut!“ Ohne mutige Kommunikation keine Demokratie

Diesen Zuspruch hat der ein oder andere von Ihnen sicherlich schon öfter gehört oder sich selbst zugesprochen. Auch ich als Kommunikationsmensch spreche mir dies oft zu, denn Kommunikation bedeutet in erster Linie (selbstbestimmtes) Denken, sich eine eigene Meinung bilden und sich trauen, diese seinen Mitmenschen mitzuteilen. Und auch nach außen geht es für die Kommunikatoren immer mehr um „mutige Statements“ und „klare Meinung“.

Doch was bedeutet mutig zu sein?

Dieser Frage stellten sich derzeit auch dutzende von Kommunikatoren und das Thema war das Leitmotiv auf dem Kommunikationskongress 2018. Immer wieder kam die Frage auf, was bedeutet es eigentlich, „Mut“ zu beweisen? Oder nennen wir es auch Entschlossenheit, Courage, Tapferkeit, Unverzagen oder Beherztheit… viele Synonyme, die im Kern aufs Gleiche hinauswollen.

Mut zu beweisen, das gilt nach innen und außen

Mutig sein, das bedeutet, sich nicht kleinmachen und die Stimme erheben, wenn es darauf ankommt. „Es gibt zu viele Duckmäuser in Deutschland“ polarisierte der Coach und Bestsellerautor, Martin Wehrle, in seinem kurzweiligen Vortrag und versuchte sich daran, ein paar Spielregeln mutiger Kommunikation aufzustellen. In seinem Buch „Sei einzig, nicht artig!“: So sagen Sie nie mehr ja, wenn Sie nein sagen wollen“ regt er mit Beispielen, Fragen und Übungen zu mehr Selbstbestimmung an.
Das heißt also mutig nach außen zu sein, wenn es darum geht, eine unbequeme Position oder Haltung zu vertreten.

Gleichwohl sollten wir mutig nach innen sein, wenn wir die eigene Bedeutung in der Organisation deutlich machen wollen, gegenüber jenen, die Kommunikationsabteilungen heute fälschlicherweise noch immer als einen nachrangigen Dienstleister oder „Sprachrohr“ ansehen. Oder bspw. einem unkommunikativen CEO, trotz eigener Ängste deutlich zu machen, wie er in seiner Auffassung fehlgreift.

Für mich bedeutet es unter anderem die Courage zu haben, Stellung zu beziehen. So tut es beispielsweise Meryl Streep in ihrer Gala-Rede der Menschenrechtsorganisation und bezieht deutlich Stellung zu Trump und dem Leben in der Öffentlichkeit.

Sich mit dieser Rede an die Öffentlichkeit zu wenden, dazu braucht es Sensibilität, Tapferkeit oder auch Courage.

Gleichwohl spielt bei Mut auch die Angst mit. Angst, kritisiert, denunziert oder gemaßregelt zu werden, wie sie selbst sagt:

„It’s hard to stand up. I don’t want to do it. (…) It’s embarrassing and terrifying to put the target on your forehead. … And it sets you up for troll attacks and armies of brownshirt bots and worse, and the only way you can do it is if you feel you have to. You have to. You have no choice, but you have to speak up and stand up and act up.

Mutige Kommunikation hat jedoch keine „Erfolgsformel“. Oftmals ist „Mut“ abhängig von verschiedenen Faktoren. Wir können sie versuchen vorzuleben und manchmal ist Mut ansteckend.
Wir brauchen mutige Kommunikation um unsere freiheitliche Demokratie zu (be-)schützen.
Essenziell ist dabei meiner Ansicht nach die eines gemeinsamen Bewusstseins, dass wir alle dazu aufgerufen sind unsere geteilte Zukunft zu gestalten.

Egal ob wir dezentral oder in anderen Arbeitswelten arbeiten; wir müssen wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und die Welt haben – und dass es sich lohnt, für die Wahrheit und gegen die Unwahrheit einzutreten.

Mutige Kommunikation kann Jeder! Nicht nur Superman!

Wenn wir an „Mut“ denken, dann kommen uns oft Bilder von Superhelden oder Visionären in den Sinn. Gleichwohl hat „mutig zu sein“ auch Konsequenzen, die nicht immer positiv sind und riskante Situationen und Gefahren leider mit sich bringt.

Hierbei kommt mir oft das berühmte Buch des jungen, afghanischen Mädchens, Malala Yousafzai in den Sinn, welches auf ihr Recht für Bildung gepocht hat und dem die Talibanen in den Kopf schossen.

Gleichwohl, brauche ich aber nicht so weit schauen und erlebe es in der Arbeitspraxis, dass mutige Kommunikation nicht immer als gute Kommunikation angesehen wird. Sei es bei einem neuen großen Projekt, wo nicht klar ist, wie der Outcome sein wird oder wie dieses vom Gegenüber rezipiert wird. Wir Menschen mögen nicht immer die Veränderung, das Ungewisse und sträuben uns dagegen.

Der Gewinn, wenn wir aber eine mutige Haltung einnehmen und zulassen, ist jedoch umso größer! Deshalb sage ich mir jeden Tag, hab Mut zur Haltung. Und habt Mut zur klaren Botschaft! Zu kommunizieren, was nicht gut läuft, erhöht die Glaubwürdigkeit von dem, was gut läuft.

Nach Ansicht des Schweizer Fachpsychologen für Psychotherapie Andreas Dick besteht Mut aus folgenden Komponenten:

  1. eine Gefahr, ein Risiko oder eine Widerwärtigkeit auf sich nehmen bzw. eine Sicherheit oder Annehmlichkeit opfern, was möglicherweise den Tod, körperliche Verletzung, soziale Ächtung oder emotionale Entbehrungen zur Folge haben kann;
  2. eine mit Klugheit und Besonnenheit gewonnene Erkenntnis darüber, was in einem bestimmten Moment richtig und was falsch ist;
  3. Hoffnung und Zuversicht auf einen glücklichen, sinnvollen Ausgang;
  4. ein freier Willensentschluss;
  5. ein Motiv, das auf der Liebe beruht. (siehe Definition Wikipedia)

Welche Kriterien machen Mut in der Kommunikation aus?

  • Sensibilität

    Durch ihre differenzierte Wahrnehmung haben sensible Menschen sehr feine Antennen in Bezug auf minimale Veränderungen in der Umgebung, unterschwellige Konflikte, kaum fassbare Stimmungen, leiseste Widersprüche und kleinste Unstimmigkeiten. In der Kommunikation achten Sensible genau auf die Wortwahl und die Formulierungen, auch auf den Ton in der Stimme und auf Feinheiten in der Körpersprache ihres Gegenübers.

  • Wachsamkeit

    Mut hält inne, wer abwägt, genau hinsieht, die eigenen Grundsätze und Erwartungen hinterfragtnehmen und diesen vielleicht auch alleine ohne Rückendeckung zu gehen – und vielleicht auch zu scheitern.

  • Authentizität

    Wir verkörpern immer ein Bild von uns Selbst und bei einer mutigen Kommunikationshaltung können wir uns nicht hinter einer Fassade verstecken.

  • Offenheit

    Mutige lassen sich auf Neues, auf neue Menschen und Begegnungen ein

  • Neugierde/Experimentierfreude

    Um Dinge zu verändern, müssen wir experimentierfreudig sein und neue Dinge ausprobieren.

  • Bereitschaft

    Mut beinhaltet sich auch die Kritik und den umständlicheren Weg in Kauf zu nehmen und diesen vielleicht auch alleine ohne Rückendeckung zu gehen – und vielleicht auch zu scheitern.

Resumée

Was bedeutet dies für die Kommunikationsbranche also? Die Kommunikationsbranche steht nie still: neue Technologien, Trends, gesellschaftliche Entwicklungen. All diese Veränderungen erfordern MUT – um Gewohntes in Frage zu stellen, die Komfortzone zu verlassen, aber sich dennoch treu zu bleiben und Haltung zu zeigen. Gute Kommunikation steht für eine harmonische und stabile pluralistische Gesellschaft – und für eine erfolgreiche und friedliche Praxis gegenseitiger Toleranz.

Fake News sind keine gute, mutige Kommunikation, sondern in letzter Instanz fatal und zersetzend für unsere Demokratie und Arbeitswelt. Wir brauchen mehr gute Kommunikation im öffentlichen wie privaten Raum. Gleichwohl gilt dies genauso für Unternehmen und uns alle. Nur wer Kritik annimmt, neugierig bleibt und mitdiskutiert, kann neue Trends, innovative Kommunikationswege und eigene Ideen einbringen und Zukunft mitgestalten. Also…. Nicht wegducken, sondern mutig Vorschläge liefern und lieber Fehler machen als stillstehen.

Isabel Runge
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Isabel Runge

Communications & Marketing Managerin bei GIS AG
Mein Herz schlägt für das Vorantreiben der Arbeitswelt 4.0, damit Sinnstiftung, Demokratie und Menschlichkeit Eingang in unser ökonomisches Handeln finden.
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