Sei innovativ! Welche innovativen Formate funktionieren in Unternehmen im Vergleich?

Eine der wichtigsten Eigenschaften des Menschen ist seine Kreativität und sein Einfallsreichtum. Damit behaupten wir uns auch heute noch (und hoffentlich auch noch ein wenig länger) gegenüber einer Maschine oder den „künstlichen Intelligenzen“. Das mag sich zwar in Zukunft noch weiter zu unseren Ungunsten verändern, doch Stand heute sind wir damit auf der sicheren Seite, auch wenn wir uns unsere heutigen Berufe anschauen.

Welcher Beruf ist noch sicher?

Unter Job-Futuromat findet sich eine kleine Datenbank, die aus heutiger Sicht (Stand 2018) berechnet, ob bzw. wieviel eines Berufs schon automatisierbar und damit von einer Maschine erfüllbar wäre.

Vielleicht ist nicht alles 100% korrekt, es gibt aber einen sehr guten ersten Eindruck und vermittelt ein Gefühl, wo Maschinen auch heute schon sehr weit sind. Je nach Bekanntenkreis, ist dies auch für eine Diskussion und Rate-Spiel nach einem guten Essen bei einem Getränk geeignet („z.B. Welcher Beruf ist noch sicher?“).

Im Allgemeinen sind aus heutiger Sicht Berufe, wo Kreativität oder Innovation gefragt sind, am wenigsten von einer Maschine zu ersetzen. Was aber nun tun, wenn man sich selbst nicht als besonders kreativ empfindet und schon Probleme hat, Geschenke zu Weihnachten oder für Geburtstage zu finden. Im Alltag lassen sich solche Herausforderungen dann doch mit Hilfe, meist durch Anregungen und Austausch des Bekanntenkreises bewerkstelligen und für den jeweiligen Empfänger anpassen. Genau dieses Muster verfolgen wir in Unternehmen auch, in dem wir uns immer mehr Austauschen und im Dialog neue Anregungen und Ideen erarbeiten. Sei es um zu Brainstormen, neue Ideen zu entwickeln oder auch nur verschiedene Blickwinkel einnehmen zu können. Mittlerweile gibt es dafür auch schon viele bekannte und etablierte, aber auch recht „neue“ Formate, die ich gerne einmal beleuchten und meine eigene Erfahrung beisteuern möchte.

Welche Formate bringen Innovation ins Unternehmen?

Das bekannteste und wohl älteste Instrument im Unternehmen ist das „Betriebliche Vorschlagswesen“. Je nach Unternehmen wird dieses mehr oder minder gut gelebt. Es kann die berüchtigte Zettelbox sein, in die Vorschläge auf Papier eingereicht und von einem Ausschuss hinter „verschlossenen“ Türen bewertet werden, oder aber wesentliche offenere Formate, wo Ideen digital erfasst und von allen kommentiert und auch bewertet werden können.

Heute haben sich auch noch andere Methoden in vielen Unternehmen etabliert, die gezielt den Austausch und Dialog fördern. Die Einsatzgebiete unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten, wobei eine Methode durch  Abwandlungen auch für verschiedene Zwecke eingesetzt werden kann:

  • Zielrichtung: Was genau soll erreicht werden? Soll gezielt an einer Fragestellung gearbeitet oder aber erstmal kreativ auch völlig neue Ideen entwickelt werden? Ist das Ziel eher das eines Einzelnen, der sich weitere Anregungen holen will, oder stärker aus dem gesamten Unternehmen getrieben?
  • Größe des Teilnehmerkreises: Ist es ein Austausch in einem kleinen Kreis, einem größeren Bereich oder sogar dem gesamten Unternehmen?
  • Virtuell/Vorort: Sind alle Teilnehmer vor Ort und können sich persönlich treffen oder sind diese über die ganze Welt verstreut und/oder der Teilnehmerkreis sehr groß?
  • Komplexität: Einige Methoden wirken komplexer und es bedarf einer größeren Vorbereitung, bei anderen lässt sich recht schnell und einfach starten. Manchmal lassen sich Methoden für diverse Zwecke einsetzen oder sind sehr auf einen Zweck fokussiert.

Ich möchte einmal, die mir bekanntesten Methoden diskutieren und meine Einschätzung geben, wofür sie sehr gut verwendet werden können. Es gibt noch unzählige weitere Methoden und Abwandlungen, sodass ich hier keine Vollständigkeit beabsichtige, sondern aus meiner eigenen Erfahrung die Liste erstellt habe.

Innovative Formate in der Theorie

World Café

Geeignet für Großgruppen (20 bis mehrere 100te Personen möglich), die Vorort sein müssen. Diskussionen werden in sogenannten „Cafés“ geführt, die auch der Methode Ihren Namen gegeben haben. Jedes Café hat einen Moderator (den Café Eigentümer) der durch vorgegebene Fragestellungen die Diskussion der Gruppe leitet und zusammenfasst. Die Gruppen wechseln ständig die Cafés und werden dabei auch immer neu zusammengemischt. Die Fragen in den Cafés können aufeinander aufbauen und sind normalerweise für alle immer identisch. Die Methode ist besonders wirkungsvoll bei heterogenen, durchmischten Teilnehmergruppen, die gemeinsam an einem Thema interessiert sind.

Ziel: Es können zu vorab festgelegten Themen gezielt Fragen in Gruppen diskutiert werden und immer wieder neue Blickwinkel dazu eingenommen werden. Ein Thema wird daher sehr intensiv diskutiert und alle Teilnehmer erhalten neue Einblicke und Sichtweisen.

Weitere Infos: World Cafe Link

Eigene Einschätzung:

Gut geeignet um Teilnehmer an ein Thema heranzuführen und dabei dann auch verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Die Teilnehmer sollten aus verschiedenen Bereichen kommen, damit eine Diversifizierung möglich ist. Es wird allerdings weniger tief eingestiegen und auch seltener konkrete Maßnahmen daraus abgeleitet.

Innovative Formate in der Praxis am Beispiel von Kiekert AG

Ein letztes sehr schönes und weitreichendes Beispiel möchte ich noch geben, was mich selber sehr inspiriert und fasziniert hat. Bei der Kiekert AG wurde eine Mitarbeiter-Kampagne „Zukunftsmacher“ gestartet. Im Kern geht es darum, dass Mitarbeiter sich bewerben, um an zukünftigen innovativen Projekten und Ideen mitzuarbeiten. Die Auswahl wird dann aber nicht zentral von einem Ausschuss vorgenommen, sondern alle Mitarbeiter wählen aus den Bewerbern die „Zukunftsmacher“ selber aus. Es haben sich über 2100 Mitarbeiter beteiligt von denen sich 250 beworben haben. Von diesen wurden 27 „Zukunftsmacher“ gewählt, aus allen Mitarbeiterhierarchien, Regionen und Rollen. Gerade die Produktionskollegen, die sonst eher weniger stark repräsentiert sind, und das obwohl sie einen großen Teil der Belegschaft stellen, wurden durch die Wahl stärker als üblich vertreten.

Die „Zukunftsmacher“ haben gemeinsam mit ihren Kollegen mehr als 120 zukunftsträchtige Ideen für die Weiterentwicklung des Unternehmens eingereicht (Themenbereichen „Kiekert-Familie“, „Soziales und Werte“ und „Globale Zusammenarbeit“). Die Projektideen wurden gemeinsam mit Mitgliedern des Managements weiterentwickelt und allen Mitarbeitern weltweit zu Beginn des Jahres zur Wahl gestellt. Die Belegschaft hat dann entschieden, welche Ideen sinnvoll sind und es wert sind weiterverfolgt zu werden.

Hier wurde einmal etwas ausprobiert, ohne ganz genau zu wissen, ob das alles so funktioniert. Dazu ist eine Menge Einsatz und Mut erforderlich. Ob dies in vielen Unternehmen so gelungen wäre, mag ich bezweifeln. Es zeigt aber die Truhe der Möglichkeiten ist gut gefüllt. Seien Sie mutig und probieren Sie sich aus…

Die Liste ist erstmal als Einstieg gedacht und in weiteren Artikeln werde ich meine Erfahrungen gerne noch vertiefen. Falls Sie eigene Erfahrungen mit den genannten oder anderen Methoden haben, freue ich mich auf Ihr Feedback.

Carsten Schulz
Follow me

Carsten Schulz

Consultant bei GIS AG
Mich begeistern die neuen Technologien, deren Möglichkeiten und Einsatzszenarien, um einfacher arbeiten zu können.
Carsten Schulz
Follow me