Weitergedacht: Arbeits-(welt) in 20 Jahren. Zwischen Dystopie & Utopie (Teil 3)

Von der Industriellen Revolution bis heute hat sich viel getan in der Arbeitswelt. Damals wäre es wohl für keinen vorstellbar gewesen, dass wir heute eine 40 Stundenwoche haben. Heute ist das aber relativ normal. Und auch, dass perspektivisch in der Zukunft immer mehr Menschen noch weniger arbeiten. Meiner Ansicht nach stimmt die These, dass durch die Digitalisierung genauso viele neue Jobs entstehen, so nicht. die Automatisierung ein Jobkiller? Droht die Massenarbeitslosigkeit? Welche Berufe wird es in Zukunft noch geben? Und welche?

Wie sieht die Welt in 20 Jahren aus, wenn Algorithmen alles bestimmen und die digitalen Medien uns sagen, wie wir zu handeln haben? Viele setzen auf kreative Berufe. Aber: Wenn der Taxifahrer seinen Job verliert, dann wird er deshalb nicht kreativer!
Wir müssen lernen, den Stellenwert der Digitalen Technik richtig abzuwägen und auch Grenzen zu setzen. Die Entwicklung der klassischen, leistungsgetriebenen Gesellschaft in eine automatisierte Welt mit selbstbestimmten Tätigkeiten wird eine große Herausforderung für Staat, Politik und Individuum.

Es braucht neue Spielregeln bzw. einen neuen Gesellschaftsvertrag für eine sich verändernde Arbeitswelt, besonders die Förderung passender Rahmenbedingungen für neue Arbeitsformen und Selbständigkeit. Auch der Staat muss sich mit entsprechenden Institutionen und Prozessen stärker einbinden.

Ausgewählte Handlungsoptionen

Die Verknüpfung von digitaler Arbeitsumgebung und dem Menschen als Mittelpunkt dieser Technik bietet wahnsinnige Möglichkeiten, um in Zukunft „lebenswert“ zu leben.[1]

Weniger Arbeit, mehr Leben?

Wachsen ja – aber mit veränderten Werten. Wir brauchen den Einsatz aller, nicht für eine Welt ohne Arbeit, sondern für ein anderes Arbeiten. Gemeinschaftlich, selbstbestimmt und im klassischen Sinn natürlich auch: nicht so viel.

Gemeint ist eine Welt mit weniger Arbeit – und mit mehr Aufgaben. Dafür müsste die Politik gestalten, statt bloß zu verwalten. Sie müsste dafür sorgen, dass der Staat finanziell stabil ist, wenn Algorithmen übernehmen und die Bürger unabhängig vom alten Job ihren Anteil am Wohlstand genießen können. Mehr denn je müssten alle – auch die Reichen – zum Gelingen beitragen. Die Schulen müssten die Kinder auf ein bewegteres Leben vorbereiten, in dem jeder sich selbst weiterentwickeln und initiativ werden kann. Mentorenprogramme müssten Ältere bei der Weiterentwicklung und Umorientierung unterstützen. Am Ende stünde ein ganz anderer gesellschaftlicher Konsens, einer, der Arbeiten wie der Pflege und der sozialen Hilfe, dem Einsatz für eine saubere Umwelt oder für einen fairen Umgang mit Daten einen deutlich höheren Stellenwert beimisst als heute.

Das ist logische Konsequenz aus der menschlichen Fortschrittsgeschichte. „Dafür braucht es einen neuen Sozialkontrakt für eine Gesellschaft, die traditionelle Erwerbsarbeit durch neue Gemeinschaftsarbeit ersetzt. In der Bürger frei von materieller Not entscheiden können – und wollen –, wohin sie sich entwickeln.“, so heißt es im Zeit-Artikel.

Isabel Runge
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Isabel Runge

Communications & Marketing Managerin bei GIS AG
Mein Herz schlägt für das Vorantreiben der Arbeitswelt 4.0, damit Sinnstiftung, Demokratie und Menschlichkeit Eingang in unser ökonomisches Handeln finden.
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